Battlefield 1 Open Beta

Ich bin ein eher hundsmiserabler Spieler von MMOFPS. Es ist mein Ernst: CS:GO brauch ich gar nicht erst anfangen, weil ich die Wertungen meines Teams dermaßen schmälern würde, dass ich am laufenden Band mit Ausschluss aus den Matches zu rechnen hätte und bei Call of Duty tauge ich auch nichts – egal ob Maus/Tastatur oder Controller. Doch von Zeit zu Zeit begibt es sich, dass ich trotzdem Gelegenheit habe so richtig zu versagen.

Im Moment bietet sich mir die Möglichkeit, die Open Beta von Battlefield 1 (BF1)auszuprobieren – bzw. am öffentlich ausgetragenen Test des Produkts aus dem Hause Electronic Arts teilzunehmen, der für den Zeitraum vom 31. August bis zum achten September angesetzt ist. Dass meine primäre Motivation nicht darin besteht, irgendwelche Noobs mal ordentlich  aufzumischen, sollte ersichtlich geworden sein.

BF1 hat wegen etwas anderem meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Battlefield Hardline war 2015 u.a. dafür scharf kritisiert worden, dass es vom gewohnten Kanon abwich. Das Gameplay erhielt seinen Rahmen nicht mehr dadurch, dass es in Digitalisaten historischer Kriegsschauplätze stattfand. Die Geschichte war stattdessen in urbanen Kontexten angesiedelt und das Spiel konnte in der Rolle eines Polizisten erlebt werden. Diesem Projekt begegnete ich vor Veröffentlichung noch mit einer gewissen Neugierde. Doch als ich dem Youtuber meines Vertrauens beim Ablsolvieren des Einzelspieler-Modus zusah, verflog mein Interesse zusehends. Gemerkt habe ich mir stoppelbärtig-notcoole US-Cops, die berufshalber ständig in Lebensgefahr schweben und quasi mitten in der Zivilgesellschaft ihr Pivatleben samt Zivilistenstatus hinter sich lassen müssen… das kam sehr hemdsärmelig daher, fand ich, und damit war die Sache erledigt.

Die Ankündigung von BF1 hingegen hat mich stutzig gemacht. Jason Schreier wollte mir erklären, BF1 spielte im Ersten Weltkrieg und würde zum alten Spielrezept zurückkehren. …der Erste Weltkrieg… In mir machte sich ein Gefühl unangenehmer Unwissenheit breit, das sich jedoch recht bald zerstreuen ließ. Das Attentat auf den Thronfolger Österreich-Ungarns in Sarajevo, die entfesselte Militärmschine und das Grauen genannt Senfgas, Grabenkriege, die Schlacht um Verdun – mit solchem Wissen ausgestattet meinte ich, über den Ersten Weltkrieg im Grunde halbwegs informiert zu sein.

Mein erstes Match brachte diese Vorstellung bereits ordentlich ins Wanken. Doch zunächst eine Beschreibung dessen, was BF1 anbietet:
Auf einer riesigen Map, die in Sachen Grafikleistung/Spielgeschehen Star Wars Battlefront vernehmlich überragt, gilt es gegen bzw. mit – manchmal nicht leicht auseinander zu halten – mehreren Dutzend anderen Menschen Capture the Flag zu spielen. An acht verschiedenen Stellen im Spielareal kann die Flagge des eigenen Teams gehisst werden (in der Open Beta belaufen sich die Möglichkeiten auf Team-„Osmanisches Reich“ oder Team-„Großbritannien“). Die einzige verfügbare Map verortet das Geschehen in der „Wüste Sinai, einem glühend heißen Schlachtfeld östlich von Al-Jifar.“ Dort wird mit einigem Getöse herumgeknallt, Flugzeug geflogen, Panzer gefahren und irgendwann kommt dann dieser übermächtige Zug.

Am Ende meines ersten Matches bin ich erwartungsgemäß häufiger aus dem Spiel genommen worden, als ich selbst Abschüsse zu verbuchen hatte (diskretionshalber bleiben die genauen Stats unter Verschluss). Nicht nur musste ich mir eingestehen, dass ich keine Ahnung hatte, ob die Wüste Sinai überhaupt Kriegsschauplatz im Ersten Weltkrieg war. Für die näheren und auch manche weniger nahen Umstände der Kriegsbeteiligung des Osmanischen Reiches galt das Gleiche. Ich fragte mich, warum wohl die Ausrüstung von Team-„Osmanisches Reich“ in Waffen mit deutschsprachigen Titeln bestand. Die Panzer vom Typ Tank Mark VIII erinnerten mich angenehm an Indiana Jones und der letzte Kreuzzug und spätestens ab diesem Moment begann ich damit, die Quellen und Bestände meines Wissens über den Ersten Weltkrieg ein wenig ernsthafter zu hinterfragen.

Tatsächlich waren der im zugeordneten Wikipedia-Eintrag geleistete Verweis auf das Bündnissystem sowie diese weltkartenförmige GIF-Animation des Kriegsverlaufs bereits einigermaßen hilfreich. Dennoch ist meine erste Lektion bei diesem MMOFPS, dass ich in Sachen Erster Weltkrieg einiges aufzufrischen habe – zumindest wäre das angemessen, wenn mir das Gefühl von Unkenntnis in diesem Zusammenhang bereits Unbehagen bereitet und wenn ich das Dargestellte nicht unhinterfragt als historisch präzise rekonstruiert durchgehen lassen kann. Diese Kontroverse schlug sich übrigens auch im englischsprachigen Nutzerforum nieder, wo erstaunlicherweise zwischen Preußen und „Germany“ kein Unterschied gemacht wurde. Die Inszenierung von „Austria-Hungary“ dürfte dennoch dafür sorgen, dass der alte Dualismus in irgendeiner Form zum Tragen kommt. Am zehnten Juli wusste Forumnutzer Metallicat95 bezogen auf das fertige Spiel immerhin folgendes zu berichten:

DICE [Entwickler des Spiels; Anm.d. Autors inkl. Hyperlinks] has already listed the factions which will be active (have maps to play) on release:

UK
Italy
America
Germany
Austria-Hungary
Ottoman Empire
France will be added in its own DLC. Not much more is known yet about that.

[Wie geht es nun weiter?]
[Forschung: Teil 1]