Battlefield 1 – Grundlegendes zu meiner weiteren Auseinandersetzung

Zugegeben: Ich habe einigermaßen lang gebraucht, um präsentable Zugänge zu Battlefield 1 (BF1) zu finden. Mir stellten sich einige methodische Schwierigkeiten, derer ich zunächst habhaft werden musste. Diese Probleme gehen auf die Heterogenität des Untersuchungsgegenstands zurück.

Einen sehr hilfreichen Impuls fand ich im Text von Thomas Schmidt-Lux: „Kultursoziologie Online. (Verstehende) Soziologie im Zeitalter des Internet“. Dort attestiert er eingangs der verstehenden Soziologie Aufholbedarf im Zusammenhang mit sozialem Handeln und Internet und stellt im Anschluss drei Perspektiven auf das Problem vor, auf deren Grundlage er Angebote für ein weiteres Vorgehen unterbreitet. Um den Theorieexkurs nicht ausufern zu lassen – schließlich ist Theoriearbeit nicht primäres Ziel dieser Beitragsserie – fasse ich die für mich relevantesten Positionen aus besagtem Text vergröbernd zusammen. Denen, die es genauer wissen wollen, empfehle ich, den Text selbst zu lesen.

Von Schmidt-Lux‘ Ausführungen halte ich zwei für mein Vorhaben für besonders zielführend. So bearbeitet er in „2.3 Interaktionen im und über das Internet“ eine wichtige Unterscheidung. Er plädiert für eine Kultursoziologie, „die eine sinnverstehende Perspektive auf das Soziale einnimmt und dabei nicht zuletzt am (sozialen) Handeln individueller Akteure interessiert ist.“ Schmidt-Lux fährt damit fort, zwei Argumente zu entwickeln. Er richtet sich gegen eine Entwertung des Internet als „Raum des Sozialen“ wegen seiner Konnotation als Raum des Virtuellen. Spannungen mögen sich ergeben, weil dem Raum des Virtuellen leicht ein Raum des Realen entgegengehalten werden kann. Doch Argumentationen, die lediglich auf die Konfrontation von virtuell und real abheben, verkennen, dass beides im menschlichen Bewusstsein zusammengeht. Ich gebe hier die neurowissenschaftliche Forschung zu Spiegelneuronen ebenso leger zur Kenntnis wie die Praxis von Bobfahrern, vor dem Start die Strecke im Geiste zu durchfahren und sich dabei sitzend in verschiedene Richtungen zu neigen – mit einem allzu oberflächlichen, auf das Technische verkürzten Verständnis von Virtualität können solche Dinge nicht begriffen werden.

Schmidt-Lux unterbreitet anschließend ein Begriffsangebot, das auf Joachim Höflich zurückgeht und einer belastbaren (und nicht derogativ-normativen) Abgrenzung zu face-to-face-Interaktionen Vorschub leisten soll: Technisch vermittelte Interaktion. In diesem Konzept bildet das Hinzutreten technischer Medien einen entscheidenden Unterschied zu face-to-face-Interaktionen. „Dieses Medium muss jedoch als Teil dieses Kommunikationsprozesses begriffen werden. Es bringt spezifische Möglichkeiten und Grenzen mit sich, ist aber eben selbst auch schon Teil der kulturellen Praxis“. Die technische Verfasstheit derartiger Kommunikationsprozesse birgt offenkundig ein spezifisches Spektrum an Möglichkeiten, die es im Bewusstsein zu halten gilt. Doch egal welche Bewertungen den technischen Spezifika zukommen; technische Kommunikationsmedien werden genutzt und durch sie bzw. in, zu oder mit ihnen vollziehen sich soziale und kulturelle Praxisformen, die durch normative Werturteile allein noch lange nicht erschlossen sind.

Dieser Beitrag soll anknüpfen an ein Problem, das sich mir aus einer Perspektive als Nutzer von Videospielen stellte. Kurz gesagt: Mir stieß unangenehm auf, dass ich nicht recht einschätzen konnte, ob BF1 ein Geschehen darstellt, das – in gewissen technischen Grenzen – getreu seiner historischen Vorlage, nämlich dem Ersten Weltkrieg inszeniert wird. Der Umstand, dass sich das Problem in Auseinandersetzung mit der Open-Beta stellte, ist weniger Vorsatz als Zufall und passt mir dennoch ganz gut in den Kram, denn diese ersten Beiträge sind für mich auch noch so etwas wie ein Testverfahren.
Wie verfahre ich nun weiter? Ich habe mir verschiedene Möglichkeiten überlegt, die ich in Form von Fragen kurz vorstellen möchte:

  1. Wenn überhaupt, wie wichtig ist eine historisch-authentisch inszenierte Spielwelt für Nutzer von BF1 und worin äußert sich dies?
  2. Was sagen Videospielexperten und -produzierende zu BF1 und wie wird der historische Kontext des Spiels aufgegriffen?
  3. Sofern 1. und 2. einer Antwort zugeführt werden können; wie verhält sich das, was ich diskursiv rekonstruieren konnte, zu historischen Fakten des Ersten Weltkriegs?

Weil ich die Absicht habe, diesen Fragen in obiger Reihenfolge nachzugehen, bildet die Auseinandersetzung mit Nutzerdiskussionen im offiziellen Nutzerforum den Anfang einer Serie von Beiträgen zum Thema. Dabei erprobe ich auch stets methodische Zugänge und versuche eine kritische Auseinandersetzung mit Theorieangeboten, die ich in den entsprechenden Forschungskontexten antreffen werde.

[Wie kommt man auf sowas?]
[Forschung: Teil 1]